Das große Lederlexikon von A bis Z
Leder verstehen, Schäden einordnen, richtig reinigen und erhalten
Stand: September 2026 · Fachliche Textvorlage Detailing Crew Germany
Leder ist kein einheitliches Material. Herkunft, Gerbung, Färbung, Oberflächenfinish, Alter und Nutzung bestimmen, was ein Leder verträgt. Ein Reiniger oder Pflegemittel, das auf einem pigmentierten Autositz gut funktioniert, kann ein offenporiges Anilinleder dauerhaft verändern. Dieses Lexikon erklärt die Begriffe verständlich und nennt die praktische Bedeutung für Pflege und Instandsetzung.
So liest Du die Einträge: Narben meint die ehemalige Haarseite der Haut; Finish bezeichnet die später aufgebrachte Oberflächenbehandlung. Eine Herstellungsart, eine Lederart und eine Art der Oberflächenfärbung sind verschiedene Eigenschaften desselben Leders: Ein Rindsleder kann beispielsweise chromgegerbt, vollnarbig und zugleich pigmentiert sein.
Alphabetische Übersicht
A
Abfärben. Farbstoff oder Beschichtung überträgt sich beim Kontakt auf Kleidung oder Tücher. Ursache können ungenügende Farb- oder Reibechtheit, eine geschädigte Zurichtung oder nicht vollständig ausgehärtete Reparaturmaterialien sein. Vor einer Behandlung sollte geklärt werden, welche Schicht abfärbt.
Abrieb. Mechanischer Verlust von Farbe, Deckschicht oder im fortgeschrittenen Zustand der Lederoberfläche. Typische Stellen sind Sitzwangen, Lenkräder und Armlehnen. Pflege ersetzt fehlendes Material nicht; je nach Tiefe sind Farbanpassung, Beschichtungsaufbau oder Lederreparatur nötig.
Acrylatbindung. Acrylatbasierte Bindemittel können Bestandteil moderner Lederfarben und Oberflächenfinishes sein. Sie sorgen für Haftung und Filmbildung; die Eigenschaften hängen vom gesamten Produktsystem ab. „Acrylat“ allein sagt deshalb wenig über Qualität oder Haptik aus.
Alaungerbung. Historische und spezielle Behandlung von Häuten mit Aluminiumsalzen; je nach Verfahren handelt es sich technisch nicht um eine mit anderen Gerbungen gleichwertige dauerhafte Stabilisierung. Solche Leder beziehungsweise Weißleder können besonders empfindlich gegen Wasser sein. Historische Objekte gehören zur Konservierung, nicht in eine Standardreinigung.
Alcantara. Markenname für ein synthetisches Mikrofasergewebe. Es ist kein Leder, auch wenn es als Alternative zu Velours verwendet wird. Reinigung und Fleckenbehandlung richten sich nach der Materialanleitung, nicht nach Regeln für Rauleder.
Anilinleder. Leder, bei dem die natürliche Narbung sichtbar bleibt und keine pigmentierte Deckschicht die Oberfläche verdeckt; eine sehr dünne, nicht pigmentierte Schicht ist möglich. Es wirkt natürlich und entwickelt sichtbare Nutzungsspuren, nimmt Flüssigkeiten und Fett aber leichter auf. Vor jedem feuchten Arbeitsschritt verdeckt testen.
Anilinfarbstoff. Transparenter Farbstoff, der die Lederstruktur sichtbar lässt. Er ist nicht dasselbe wie eine deckende Pigmentfarbe. Bei Reparaturen entscheidet diese Unterscheidung darüber, ob man die natürliche Zeichnung erhalten kann.
Anschliff. Kontrolliertes Mattieren oder Abtragen einer vorhandenen Oberflächenschicht zur Reparaturvorbereitung. Zu grober oder zu tiefer Schliff zerstört Narbung und Substanz. Auf Anilin und Rauleder darf das Verfahren nicht pauschal wie auf pigmentiertem Leder eingesetzt werden.
Appretur. Sammelbegriff für die abschließende Oberflächenbehandlung; im Lederbereich oft im Zusammenhang mit Finish oder Zurichtung verwendet. Der genaue Aufbau variiert. Für die Pflege zählt, welche Schicht tatsächlich berührt wird.
Ausblühung. Heller Belag, der aus Fett, Wachs oder Salzen bestehen kann. Die Ursachen haben unterschiedliche Lösungen: Fett lässt sich unter Umständen erwärmen und verteilen, Salz muss fachgerecht entfernt werden. Ohne Diagnose nicht einfach mit Farbe überdecken.
B
Bakterielle Zersetzung. Schäden an unzureichend konservierten Rohhäuten vor der Gerbung. Sie können die Faserstruktur dauerhaft schwächen und später als Fehlstellen sichtbar werden. Eine Oberflächenreparatur stellt diese Faserfestigkeit nicht wieder her.
Bauchpartie. Randbereich einer Haut mit meist lockererer Faserstruktur und größerer Dehnbarkeit als der Kern der Haut. Für stark belastete Zuschnitte ist die Lage im Fell wichtig. Unterschiede in Dehnung und Narbung sind materialbedingt.
Bicast-/Bycast-Material. Handelsbezeichnung für einen Verbund aus Spaltleder und aufgebrachter Kunststoffschicht, häufig PU. Die sicht- und fühlbare Nutzfläche wird wesentlich von der Kunststoffschicht bestimmt. Ob der Verbund fachlich als beschichtetes Spaltleder bezeichnet werden kann, hängt unter anderem vom konkreten Schichtaufbau ab. Folienrisse und Ablösungen lassen sich nicht durch Nachfetten beheben.
Bindemittel. Bestandteil von Farben und Finishes, der Pigmente zusammenhält und die Haftung zur Oberfläche vermittelt. Ein falscher Bindemittelauftrag kann zu hart, glänzend oder rissanfällig werden. Reparaturprodukte sollten als abgestimmtes System verarbeitet werden.
Boxcalf. Fachlich bezeichnet der Begriff voll chromgegerbtes Kalbleder mit glatter oder gewalkter Oberfläche und einer proteinbasierten Zurichtung. Es wird beispielsweise für Schuhe und Kleinlederwaren verwendet. Die genaue Pflege richtet sich nach Zustand und Finish des konkreten Stücks.
Brandzeichen. Narbenbild oder Kennzeichnung auf der Tierhaut, das im fertigen Leder sichtbar sein kann. Auf naturbelassenem Leder gehört es zur Materialgeschichte. Eine Entfernung ohne Substanz- oder Farbverlust ist nicht immer möglich.
Bruchfalten. Linien an Stellen, die regelmäßig gebogen werden. Zunächst sind sie Gebrauchsspuren; mit fortschreitender Schichtablösung oder Faserbruch werden daraus Schäden. Gute Diagnose unterscheidet eine intakte Falte von einem echten Riss.
Büffelleder. Leder von Büffeln, oft mit charakteristischer, kräftiger Narbenzeichnung. Herkunft allein bestimmt weder Weichheit noch Pflegebedarf. Auch Büffelleder kann offenporig oder oberflächenbeschichtet sein.
C
Chamoisleder. Fachbezeichnung für bestimmte sämischgegerbte Leder, unter anderem aus Schaf-, Lamm- oder Ziegenhaut. Das Verfahren beruht auf der Oxidation geeigneter Öle; auch kombinierte Verfahren sind möglich. Die Bezeichnung wird im Handel nicht immer trennscharf benutzt, weshalb die Materialangabe geprüft werden sollte.
Chromfreie Gerbung. Gerbung ohne Chromsalze als Gerbmittel. Das bedeutet nicht automatisch „pflanzlich gegerbt“, denn auch andere mineralische oder organische Gerbstoffe kommen infrage. Ebenso lässt sich daraus allein keine Aussage über Umweltbilanz oder Hautverträglichkeit ableiten.
Chromgerbung. Gerbung überwiegend mit dreiwertigen Chromsalzen; sie ermöglicht vielfältige, oft weiche und belastbare Leder. Dreiwertiges Chrom ist nicht mit sechswertigem Chrom gleichzusetzen. Chrom(VI) wird nicht als Gerbstoff eingesetzt, kann bei mangelhafter Prozesskontrolle aber unerwünscht entstehen.
Chrom(VI). Sechswertiges Chrom ist eine unerwünschte chemische Verunreinigung und ein Thema der Schadstoffprüfung. Ein Gerbverfahren mit Chrom(III) bedeutet nicht automatisch, dass Chrom(VI) im fertigen Leder vorliegt. Belastbare Aussagen erfordern geeignete Laborprüfung.
Collagen/Kollagen. Faserprotein, aus dem die Haut wesentlich aufgebaut ist. Die Gerbung stabilisiert dieses Fasergefüge. Wenn Fasern durch Alter, Chemie oder mechanische Überlastung zerstört sind, kann Pflege die ursprüngliche Faserstruktur nicht neu erzeugen.
Crust-Leder. Gegerbtes, gefettetes und getrocknetes Leder vor der abschließenden Oberflächenzurichtung. Es kann außerdem nachgegerbt und gefärbt sein. Der Ausdruck bezeichnet eine Herstellungsstufe, keine eigenständige Tierart.
Crosslinker/Vernetzer. Zusatz in manchen Reparatur- und Beschichtungssystemen, der chemische Vernetzung und bestimmte Filmeigenschaften beeinflusst. Dosierung, Verarbeitungszeit und Aushärtung hängen vom jeweiligen Produkt ab. Zu viel Zusatz kann die Flexibilität verschlechtern.
D
Deckfarbe. Pigmentierte Farbe auf der Lederoberfläche, die den Untergrund teilweise oder vollständig abdeckt. Im Gegensatz zu transparentem Farbstoff kann sie gleichmäßige Farbtöne und Abriebkorrekturen ermöglichen. Zu dicke Schichten überdecken die Narbung und können unnatürlich wirken.
Deckschicht. Sichtbare Farb- und Schutzschichten auf zugerichtetem Leder. Im Fahrzeuginnenraum kommt die Hand bei vielen Sitzen hauptsächlich mit dieser Schicht in Kontakt. Fettige Mittel erreichen das darunterliegende Leder deshalb oft nur begrenzt.
Degreaser/Entfetter. Spezialmittel zur Entfernung von Fett und Öl vor Reparatur oder Beschichtung. Ein starker Entfetter ist kein regelmäßiger Pflegereiniger. Das Mittel muss zum Leder, zur vorhandenen Zurichtung und zum anschließenden Reparatursystem passen.
Delamination. Ablösung zwischen Leder und aufgebrachter Folie, Farbe, Beschichtung oder Trägermaterial. Typisch ist Blasenbildung oder Abheben in Schichten. Die Ursache und die Haftung der verbleibenden Schichten müssen geprüft werden, bevor neu beschichtet wird.
Durchfärbung. Färbung, die tiefer in den Lederquerschnitt reicht. Ein durchgefärbtes Leder kann trotzdem eine pigmentierte Oberfläche besitzen. Der Querschnitt hilft bei der Diagnose, sagt aber allein nichts über die richtige Pflege aus.
E
Echtleder. Umgangssprachliche Bezeichnung für Leder tierischer Herkunft, aber kein Qualitätsgrad. Für die genaue Materialkennzeichnung kommt es auch auf Spalt, Beschichtung und Schichtdicke an; Spaltleder sollte als solches bezeichnet werden. Bei einem Produkt sind konkrete Angaben zu Materialaufbau und Finish aussagekräftiger als das Werbewort „echt“.
Einbrand. Dauerhafte Verfärbung oder Veränderung durch Hitze, starke Chemie oder lokale Belastung. Hitze kann Faser und Oberflächenfilm schädigen. Eine Farbreparatur kaschiert gegebenenfalls die Optik, macht verbrannte Substanz aber nicht wieder tragfähig.
Elastizität. Fähigkeit eines Materials, sich unter Belastung zu dehnen und anschließend zurückzugehen. Sie hängt von Faseraufbau, Gerbung, Nachgerbung, Fettung und Finish ab. Nicht jedes als „weich“ empfundene Leder besitzt dieselbe Rückstellkraft.
Entkälkung. Gerbereischritt nach dem Äschern, der alkalische Stoffe aus der Haut entfernt und den pH-Wert für weitere Prozesse anpasst. Er findet vor der Gerbung statt. Eine fehlerhafte Prozessführung kann die spätere Lederqualität beeinflussen.
Entsalzen. Entfernen von Salzrückständen, etwa nach Schweiß- oder Streusalzeintrag. Salz kann Feuchte anziehen und Oberflächen verändern. Wegen möglicher Wasserflecken sollte die Behandlung an empfindlichem Leder fachgerecht erfolgen.
F
Farbabrieb. Verlust der obersten Farbschicht durch Reibung, häufig an Keder, Sitzwangen, Lenkrad und Einstiegsbereich. Eine reine Reinigung kann ihn nicht beseitigen. Vor dem Nachfärben werden Verschmutzung, Haftung und Schichtzustand geprüft.
Farbangleich. Anpassung einer Reparaturfarbe an die tatsächlich gealterte Umgebung, nicht bloß an einen ursprünglichen Farbcode. Farbton, Helligkeit, Sättigung und Glanz spielen zusammen. Lichtquelle und Untergrund können den Eindruck verändern.
Farbmigration. Wanderung eines Farbstoffs aus Kleidung, Taschen, Polstern oder alten Lederfarbschichten in eine andere Oberfläche. Dunkle Jeans auf hellem Autositz sind ein typischer Fall. Je länger der Farbstoff einwirkt, desto schwieriger kann die Entfernung werden.
Farbechtheit. Sammelbegriff für die Beständigkeit einer Färbung gegenüber bestimmten Einflüssen, etwa Licht, Wasser, Schweiß oder Reibung. Reibechtheit ist eine einzelne, gesondert geprüfte Eigenschaft innerhalb dieses Themenfelds. Eine unauffällige Probe auf Farbübertrag ist bei empfindlichem Leder vor der Reinigung wichtig.
Faserbruch. Geschädigte oder gerissene Lederfasern unterhalb der Oberfläche. Hinweise sind ausfransende Kanten, mangelnde Zugfestigkeit und wiederkehrende Risse. Füller und Farbe können das Aussehen verbessern, eine zerstörte Faserlage aber nicht vollständig ersetzen.
Fettfleck. Lokale Verdunkelung durch eingezogene Öle oder Fette. Auf Anilin und Rauleder besonders hartnäckig, weil dort wenig Deckschicht schützt. Oberflächenreiniger beseitigt tief sitzendes Fett häufig nicht; Spezialbehandlung kann mehrfach nötig sein.
Fettung. Einbringen geeigneter Fettungsmittel während der Lederherstellung, damit Fasern beweglich bleiben. Diese werkseitige Behandlung ist von einer späteren Pflegeanwendung zu unterscheiden. „Viel Fett hilft viel“ ist keine geeignete Regel für fertiges Leder.
Finish. Gesamtheit der abschließenden Oberflächenbehandlung, zum Beispiel Farbschicht, Effektlage und Schutzschicht. Es beeinflusst Glanz, Haptik, Reinigung und Abriebfestigkeit. Eine Behandlung muss immer auch zum Finish passen.
Fleischseite. Innere Seite der tierischen Haut gegenüber der Narbenseite. Wird sie angeschliffen und als sichtbare Oberfläche verwendet, entsteht je nach Aufbau Velours. Ihre Faserstruktur unterscheidet sich von der natürlichen Narbenseite.
Furnierleder. Dünnes Leder, das als dekorative Oberfläche auf einen Träger geklebt wird. Reinigungsfeuchte kann nicht nur das Leder, sondern auch Klebung und Träger betreffen. Die Pflege richtet sich daher nach dem gesamten Verbund.
G
Gerbstoff. Stoff, der die Hautfasern in der Gerbung stabilisiert. Zu den Gruppen gehören pflanzliche Gerbstoffe, Chromsalze und verschiedene chromfreie Systeme. Die Stoffgruppe beschreibt zunächst ein Verfahren, keine pauschale Qualitätsrangfolge.
Gerbung. Umwandlung vorbereiteter Haut in ein beständigeres Material durch Stabilisierung ihres Kollagengefüges. Nach der eigentlichen Gerbung folgen oft Nachgerbung, Färbung, Fettung, Trocknung und Finish. Das spätere Verhalten ergibt sich aus der gesamten Herstellung.
Glattleder. Sammelbegriff für Leder mit glatter sichtbarer Oberfläche. Dazu gehören sowohl offenporige Anilinleder als auch stark geschützte pigmentierte Leder. „Glattleder“ allein reicht deshalb nicht für eine Pflegeempfehlung.
Glanzgrad. Optischer Eindruck von matt über seidenmatt bis glänzend. Reinigung, Abnutzung und Reparatur können ihn verändern, obwohl der Farbton gleich bleibt. Eine gute Farbreparatur stimmt auch den Glanz an die Umgebung an.
Griff. Fachausdruck für das taktile Gefühl des Leders: weich, fest, trocken, wachsig oder geschmeidig. Er entsteht aus Gerbung, Fettung, Dicke und Finish. Eine Reparatur sollte den Griff möglichst wenig verändern.
Grundierung/Primer. Haftvermittelnde oder ausgleichende Schicht vor einer Reparaturfarbe. Sie wird nach Material und Schadensbild gewählt. Mehr Grundierung ist nicht automatisch mehr Halt; ein schadhafter Untergrund muss zuerst behandelt werden.
H
Haarporen. Sichtbare Spuren der Haarfollikel auf der Narbenseite. Ihr Bild kann bei der Materialbestimmung helfen, ist aber durch Prägung oder Beschichtung veränderbar. Ein Porenbild allein beweist daher keine Tierart oder Qualitätsstufe.
Haftung. Verbindung zwischen Untergrund und aufgetragener Farbe, Füllung oder Schutzschicht. Sie hängt unter anderem von Sauberkeit, Fettfreiheit, Oberflächenzustand und Systemverträglichkeit ab. Schlechte Haftung lässt sich nicht mit einer dickeren Deckschicht kompensieren.
Hautseite. In der Umgangssprache oft die Narbenseite der gegerbten Haut. Weil die Bezeichnung missverständlich sein kann, sind „Narben“ und „Fleischseite“ präziser. Bei Wildleder wird im Handel nicht immer sauber zwischen den Seiten unterschieden.
Heißprägung. Einbringen einer Struktur oder Kennzeichnung mit Wärme und Druck. Bei einer Reparatur können Narbungswerkzeuge eingesetzt werden, um eine Schadstelle optisch anzugleichen. Zu viel Hitze verformt oder beschädigt Leder und Finish.
Hydrolyse. Chemischer Abbau bestimmter Kunststoffe und Beschichtungen durch Feuchte und Zeit. Bei PU-Oberflächen kann er zu Klebrigkeit, Brüchigkeit oder Ablösung führen. Lederpflege verhindert den Zerfall einer bereits hydrolysierten Kunststoffschicht nicht.
I
Imprägnierung. Behandlung zur Verringerung der Wasseraufnahme oder zur Verbesserung des Fleckschutzes. Sie macht Leder normalerweise nicht vollständig wasserdicht und hält nicht unbegrenzt. Für Rauleder und Anilin nur dafür freigegebene Produkte wählen und mögliche Farbvertiefung testen.
Instandsetzung. Fachgerechte Bearbeitung eines Schadens mit dem Ziel, Funktion und Erscheinungsbild zu verbessern. Sie kann Reinigung, Stabilisierung, Füllung, Strukturnachbildung, Farbanpassung und Versiegelung umfassen. Ob eine Reparatur dauerhaft tragfähig ist, hängt von der verbliebenen Substanz ab.
Insektenfraß. Fraßschäden an Leder oder an textilen Bestandteilen eines Objekts. Lochform und betroffene Materialien helfen bei der Unterscheidung von mechanischem Schaden. Vor Reparatur aktiven Befall ausschließen, besonders bei Lagerware und historischen Stücken.
J
Juchtenleder. Traditionell mit bestimmten Pflanzenstoffen gegerbtes und geöltes Leder; die historische Bezeichnung ist regional und handelsüblich nicht immer einheitlich. Ein markanter Geruch kann typisch sein. Das konkrete Stück prüfen, bevor Öl oder Reinigungsmittel eingesetzt werden.
Jeansabfärbung. Übertragung von Textilfarbstoff auf helle Sitze, Taschen oder Möbel. Frischer Abrieb sitzt zunächst oft an der Oberfläche; später kann Farbstoff in Finish oder Leder eindringen. Frühzeitige, materialgerechte Reinigung verbessert die Chancen.
K
Kalbleder. Leder aus Kalbshaut, häufig mit feiner Narbung. Eigenschaften variieren stark nach Gerbung und Finish. „Kalb“ ist eine Herkunftsangabe, keine Garantie für besondere Empfindlichkeit oder Robustheit.
Keder. Eingenähte oder eingelegte Kantenverstärkung entlang einer Naht. An Autositzen ist der Keder einer hohen Reibbelastung ausgesetzt. Wenn sein Trägermaterial beschädigt ist, reicht das Überfärben der Oberfläche nicht.
Klebenaht. Verbindung von Lederteilen mit Klebstoff, oft als vorbereitender Schritt vor dem Nähen. Klebstoffreste können spätere Farbreparaturen stören. Bei Delamination muss geprüft werden, ob Material oder Klebstoff versagt hat.
Kombinationsgerbung. Einsatz mehrerer Gerb- oder Nachgerbverfahren, um Eigenschaften gezielt einzustellen. Eine pflanzliche Nachgerbung macht ein ursprünglich chromgegerbtes Leder nicht automatisch zu rein pflanzlich gegerbtem Leder. Die genaue Reihenfolge ist fachlich relevant.
Korrigierter Narben. Leder, dessen natürliche Narbenoberfläche mechanisch teilweise abgetragen und anschließend optisch durch ein Finish verbessert wurde. Das kann ein sehr gleichmäßiges Bild ergeben. Aussehen und Abriebverhalten hängen stark vom Oberflächenaufbau ab.
Kratzschaden. Oberflächlicher Abrieb, tiefer Schnitt oder Dehnung der Deckschicht können ähnlich aussehen, brauchen aber unterschiedliche Eingriffe. Eine dunkle Linie ist nicht automatisch ein Riss im Leder. Zuerst Schichttiefe und Faserzustand prüfen.
Kunstleder. Synthetisches Material, oft mit PU- oder PVC-Nutzschicht auf textilem Träger. Es besitzt keine tierische Lederfaserstruktur. Spezielle Reinigung und Reparatur sind möglich; klassische Leder-Rückfettung ist dafür ungeeignet.
L
Lackleder. Leder mit sehr glänzender, geschlossener Oberflächenbeschichtung. Kratzer, Farbmigration und klebrige Alterungserscheinungen betreffen oft die Beschichtung. Pflegeöl erreicht das Leder darunter nicht in sinnvoller Weise.
Leder. Durch Gerbung stabilisierte tierische Haut, deren ursprüngliche Faserstruktur im Wesentlichen erhalten ist. Die Fachnorm DIN EN 15987:2022 grenzt die unqualifizierte Bezeichnung „Leder“ unter anderem über die Dicke einer aufgebrachten Oberflächenschicht ab; für dickere zulässige Schichten kennt sie die gesonderte Bezeichnung „beschichtetes Leder“. „Leder“ beschreibt daher nicht automatisch eine offene, saugfähige Oberfläche.
Lederfaserstoff. Aus zerkleinerten Lederfasern hergestellter Werkstoff, der wieder zu Bahnen oder Platten geformt wird. Die Fachnorm nennt hierfür einen Mindestanteil von 50 Gewichtsprozent trockenen Lederfasern. Das Material ist keine gewachsene, zusammenhängende Lederhaut; „bonded leather fibre“ ist eine mögliche englische Fachbezeichnung.
Lederöl. Ölhaltiges Mittel zur gezielten Behandlung geeigneter Leder. Es ist keine Universallösung für Trockenbrüche, Pigmentabrieb oder Kunstleder und kann Flecken und Dunkelung verursachen. Bei geschlossenem Finish dringt es meist nicht wie erhofft in die Fasern ein.
Lederpflege. Oberbegriff für vorbeugende Maßnahmen wie abgestimmte Reinigung, Schutz und gegebenenfalls geeignete konditionierende Behandlung. Pflegeintervall und Mittel hängen von Lederart und Beanspruchung ab. Ein gepflegter Sitz ist nicht zwangsläufig fettig oder glänzend.
Lichtbeständigkeit. Widerstand von Farbstoff und Finish gegen Veränderung durch Licht. UV-Licht und sichtbares Licht können zur Alterung beitragen. Bei Restaurierungen kann eine frische Farbe neben ausgebleichten Flächen anders wirken als unter Werkstattlicht.
Licker. Emulgierbares Fettungsmittel, das in einer wässrigen Flotte in das Leder eingebracht werden kann. Es hilft, die Lederfasern beweglich zu halten und beeinflusst damit unter anderem Griff und Geschmeidigkeit. „Licker“ bezeichnet das Mittel; „Lickern“ bezeichnet die Behandlung. Welche Zusammensetzung geeignet ist, hängt vom Leder und vom Verfahren ab.
Lickern. Gezielte Fettung beziehungsweise Rückfettung des Leders mit einem Licker, typischerweise im Nassprozess der Lederherstellung. Auch nach bestimmten professionellen Reinigungsverfahren kann eine Rückfettung erforderlich sein, wenn Fettungsmittel entzogen wurden. Ziel ist, die Faserbeweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern. Das ist nicht mit dem bloßen Einreiben eines fertig beschichteten Sitzes mit Lederöl gleichzusetzen: Ob eine nachträgliche Behandlung die Fasern erreicht, hängt von Oberflächenaufbau, Zustand und Verfahren ab.
Lochreparatur. Aufbau einer Fehlstelle mit geeigneter Hinterlegung, Füllung und Beschichtung, soweit Konstruktion und Belastung das zulassen. Sichtbarkeit und Haltbarkeit hängen von Größe und Lage ab. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen und Nähten gelten zusätzliche Grenzen.
M
Mattierung. Einstellung eines niedrigeren Glanzgrades in Farbe oder abschließender Schutzschicht. Gleichmäßigkeit ist entscheidend: Ein exakt gemischter Farbton kann wegen falschen Glanzes deutlich auffallen. Mattierung darf die Oberfläche nicht kreidig oder rau machen.
Metallkomplexfarbstoff. Farbstoffgruppe, die bei der Lederfärbung eingesetzt werden kann. Chemische Farbstoffbezeichnung und spätere Produkteigenschaft sind nicht identisch. Entscheidend sind Verarbeitung, Farbton, Echtheit und die Oberflächenzurichtung.
Mikrofaser. Sehr feines synthetisches Fasergewebe für Tücher oder Sitzbezüge. Als Reinigungstuch kann es Schmutz gut aufnehmen, doch raue oder verunreinigte Tücher können empfindliche Oberflächen abreiben. Mikrofaserbezüge sind kein Leder.
Mikroriss. Sehr feiner Riss in Deckschicht oder Leder, oft erst beim Biegen sichtbar. Werden die Risse größer, kann ein späterer Farbauftrag allein nicht stabil genug sein. Frühzeitige Begutachtung begrenzt den Reparaturaufwand.
Möbelleder. Leder, das für Polstermöbel verarbeitet wird; der Begriff beschreibt den Einsatz, keine einheitliche Oberfläche. Anilin-, semianilin- und pigmentierte Leder sind möglich. Angaben des Möbelherstellers und eine kleine Materialprobe sind für die Pflege wertvoll.
N
Nachgerbung. Behandlung bereits gegerbten Leders mit zusätzlichen Stoffen, um Fülle, Festigkeit, Weichheit und weitere Eigenschaften einzustellen. Sie ist Teil der Herstellung. Der Begriff darf nicht mit der späteren Pflege eines fertigen Lederprodukts verwechselt werden.
Narbenseite. Ursprüngliche Außenseite der Tierhaut nach Entfernung von Haaren und Oberhaut. Hier liegt die charakteristische natürliche Narbung. Sie kann unbehandelt bleiben, leicht angeschliffen, korrigiert oder vollständig beschichtet werden.
Narbenprägung. Mechanisch eingeprägtes Muster, das natürliche Narbung ergänzt oder eine gleichmäßige Struktur erzeugt. Eine geprägte Oberfläche ist nicht zwangsläufig Kunstleder. Bei Reparaturen muss die Struktur passend nachgebildet werden.
Nappaleder. Nach der Fachnorm weiches, vollnarbiges, durchgefärbtes und nur leicht zugerichtetes Leder. Der Handelsgebrauch ist nicht immer so präzise. Deshalb die tatsächliche Oberfläche prüfen, statt allein aus dem Namen eine Pflegeempfehlung abzuleiten.
Neutralisation. Gerbereischritt nach der Gerbung, der den chemischen Zustand für Nachgerbung, Färbung und Fettung einstellt. Er bedeutet nicht, dass fertiges Leder „pH-neutral“ sein muss. Reinigungsprodukte sind nach Materialverträglichkeit auszuwählen.
Nubukleder. Leder mit fein angeschliffener Narbenseite und samtiger Oberfläche. Es verändert durch Streichen oft die Hell-Dunkel-Richtung und nimmt Fett oder Feuchte leicht sichtbar auf. Spezielle Raulederpflege und behutsame Trockenreinigung sind gefragt.
O
Offenporig. Umgangssprachliche Beschreibung für Leder, dessen Oberfläche Flüssigkeit relativ leicht aufnehmen kann und dessen Narbenbild sichtbar bleibt. Der Begriff ist im Handel unscharf; auch dünne Schutzschichten sind möglich. Ein Wassertropfentest kann Flecken verursachen und ist kein risikofreies Bestimmungsverfahren.
Ölzugleder. Mit Ölen oder Wachsen so ausgerüstetes Leder, dass beim Knicken oder Ziehen hellere Zonen entstehen können. Diese Veränderung gehört oft zum gewünschten Charakter. Herkömmliche Deckfarben würden den Effekt überdecken.
Originalsubstanz. Erhaltenes ursprüngliches Leder mit seiner gewachsenen Oberfläche und Nutzungsgeschichte. Bei Oldtimern und historischen Stücken kann sie einen besonderen Wert besitzen. Eine Restaurierung sollte vorher klären, welche Patina bleiben soll.
Oxidation. Reaktion von Stoffen mit Sauerstoff; sie kann unter anderem Fette und bestimmte Beschichtungen verändern. Klebrigkeit, Geruch, Verfärbung oder Verhärtung haben jedoch mehrere mögliche Ursachen. Eine seriöse Diagnose trennt Chemiealterung von bloßer Verschmutzung.
P
Patina. Durch Gebrauch, Licht und Alter entstandene Veränderung der Oberfläche, die zum Charakter des Stücks passen kann. Sie ist weder grundsätzlich Schmutz noch automatisch ein Schaden. Abblätternde Farbe, tiefe Risse und Fettablagerungen sollte man gesondert beurteilen.
Pergament. Getrocknete, gespannte und bearbeitete Tierhaut, die nicht wie übliches Leder gegerbt wurde. Es reagiert empfindlich auf Feuchteschwankungen. Pflegeprodukte für Ledersitze oder Taschen gehören nicht auf Pergament.
Pflanzliche Gerbung. Gerbung mit Gerbstoffen aus Pflanzen, etwa Rinde oder anderen Pflanzenteilen. Je nach Verfahren entstehen unterschiedliche Farben und Griffe. „Pflanzlich“ sagt nicht, dass ein Produkt wasserfest, schadstofffrei oder stets pflegeleicht ist.
Pigmentiertes Leder. Leder mit einer pigmenthaltigen Oberflächenzurichtung, welche die natürliche Narbung optisch verdeckt; eine zusätzliche Schutzschicht ist häufig. Viele moderne Fahrzeugsitze gehören in diese Gruppe. Es ist oft alltagstauglich, aber nicht unverwundbar: Reibung und ungeeignete Reiniger können das Finish beschädigen.
Pigmentierung. Aufbringen einer farbgebenden Deckschicht. Bei einer fachgerechten Reparatur erfolgen Vorbereitung, dünner Schichtaufbau, Farb- und Glanzanpassung sowie geeigneter Abschluss. Pigmentieren ist nicht dasselbe wie das Eindringen eines Farbstoffs bei der Gerbereifärbung.
Porenbild. Sichtbares Muster der Haarfollikel beziehungsweise Narbenoberfläche. Es kann durch Prägung, Schleifen oder Deckfarbe verändert sein. Ein schönes Porenbild ist kein alleiniger Beleg für vollnarbiges oder unbehandeltes Leder.
PU-Beschichtung. Oberflächenlage aus Polyurethan auf Leder oder textilem Träger. Je nach Material wirkt sie sehr unterschiedlich, von dünnem Schutzfilm bis zur prägenden Nutzschicht eines Kunstleders. Chemische Alterung der Beschichtung erfordert eine andere Diagnose als Lederabrieb.
Pull-up-Leder. Leder mit Öl- oder Wachsausrüstung, bei dem Dehnung und Knickung eine vorübergehende Aufhellung erzeugen können. Gebrauchsspuren gehören häufig zum gewünschten Bild. Feuchte Reinigung, Fett und farbdeckende Reparatur können den Effekt verändern.
PVC-Kunstleder. Synthetischer Verbund mit PVC-Oberfläche und Trägergewebe. Weichmacherwanderung oder Alterung kann Haptik und Oberfläche verändern. Eine Ledercreme behebt diese Kunststoffprozesse nicht.
Q
Qualitätsprüfung. Beurteilung von Zugfestigkeit, Abrieb, Reibechtheit, Lichtbeständigkeit, Beschichtungshaftung und anderen Eigenschaften mit geeigneten Prüfverfahren. Ein bloßer Blick auf die Oberfläche genügt nicht für alle Aussagen. Der Einsatzzweck entscheidet, welche Prüfwerte wichtig sind.
Querschnitt. Blick auf die Schnittkante eines Materials. Er kann natürliche Faserlagen, Spaltleder, Trägertextil oder dicke Beschichtungen erkennen lassen. Die Beurteilung benötigt Erfahrung und gegebenenfalls weitere Prüfungen.
R
Rauleder. Oberbegriff für Leder mit aufgerauter Oberfläche, insbesondere Nubuk und Velours. Die genaue Seite und Faserstruktur unterscheiden sich. Glattlederreiniger, Cremes und deckende Farbmittel können Flor und Optik dauerhaft verändern.
Reibechtheit. Beständigkeit einer Färbung gegen trockene oder feuchte Reibung. Sie ist unter anderem für Sitze und Kleidung wichtig. Beim Reinigen hilft ein weißes Tuch, auffällige Farbübertragung früh zu bemerken; das ersetzt keine Laborprüfung.
Reinigung. Entfernen von Schmutz, Ablagerungen oder Fremdfarbe mit einer zum Material passenden Methode. Eine Reinigung ersetzt keine Reparatur von beschädigter Farbe oder Fasern. Vorher Material, Finish, Vorschäden und Echtheit prüfen.
Reinigungsprobe. Test an unauffälliger Stelle mit demselben Mittel, Werkzeug, Druck und der vorgesehenen Einwirkzeit. Geprüft werden Farbübertrag, Fleckenbildung, Glanz- und Haptikänderung. Erst nach vollständiger Trocknung lässt sich das Ergebnis zuverlässig beurteilen.
Restaurierung. Gezielte Arbeit an gealtertem Leder, die Substanz, Erscheinungsbild und Charakter des Stücks berücksichtigt. Sie kann von konservierender Reinigung bis zur sichtbaren Ergänzung reichen. Bei wertvollen Originalen gehört der gewünschte Grad der Veränderung vorab festgelegt.
Riss. Trennung in Deckschicht oder Lederfasergefüge. Ein Farbfilmriss ist anders zu behandeln als ein durchgehender Lederriss. Ort und Belastung entscheiden, ob Stabilisierung und Füllung genügen oder ein Bauteil ersetzt werden muss.
Rohhaut. Tierhaut vor der eigentlichen Gerbung; oft durch Salz oder Trocknung konserviert. Sie ist noch kein gebrauchsfertiges Leder. Auch getrocknete, ungegerbte Hautprodukte verhalten sich bei Feuchtigkeit anders als gegerbtes Leder.
Rückfettung. Erneutes Einbringen geeigneter Fettungsmittel in die Lederfaser, beispielsweise durch Lickern während der Lederherstellung oder nach bestimmten professionellen Reinigungsverfahren. Bei fertigen, insbesondere stark pigmentierten Bezügen kann ein äußerlich aufgetragenes Mittel diesen Nassprozess nicht einfach wiederholen. Eine nachträgliche Behandlung muss am tatsächlichen Lederaufbau, Zugang zur Faser und Schaden ausgerichtet werden.
Rückfettungsmittel. Stoffe, die in der Herstellung Flexibilität und Faserbeweglichkeit fördern. Pflegeprodukte mit öligen Bestandteilen haben nicht automatisch dieselbe Wirkung im fertigen Bauteil. Zu viel Öl kann dunkeln, kleben, Schmutz binden und spätere Farbarbeiten erschweren.
S
Sämischgerbung. Gerbverfahren mit geeigneten oxidierbaren Ölen, traditionell unter anderem für sehr weiche Leder. Die Bezeichnung ist nicht mit jeder geölten Oberfläche gleichzusetzen. Wasch- und Pflegeeigenschaften richten sich nach dem tatsächlichen Material.
Salzränder. Sichtbare Ablagerungen oder Wasserränder nach Feuchtigkeit, Schweiß oder Streusalz. Auf porösen Ledern können Salze tiefer sitzen. Trockenes Überfärben löst die Ursache nicht; Feuchtebehandlung birgt ihrerseits Fleckenrisiken.
Schimmel. Pilzwachstum bei ungünstiger Feuchte, Lagerung und Verschmutzung. Sichtbarer Belag allein verrät nicht sicher, ob Befall noch aktiv ist. Betroffene Gegenstände getrennt lagern, Feuchteursache beheben und empfindliche oder wertvolle Stücke fachlich beurteilen lassen.
Schleifstaub. Staub aus Leder, Farbe oder Füllmaterial nach der Oberflächenvorbereitung. Er verschlechtert die Haftung neuer Schichten und muss passend entfernt werden. Bei Schleifarbeiten Staubbelastung und Arbeitsschutz beachten.
Schrumpfung. Größenverlust oder Verformung durch ungeeignete Hitze, Wasser oder chemische Einwirkung. Gegerbtes Leder ist zwar stabiler als Rohhaut, bleibt aber nicht beliebig hitzefest. Eine geschrumpfte Fläche lässt sich häufig nicht vollständig zurückformen.
Schutzschicht/Topcoat. Abschließender Film über einer Farbschicht, der unter anderem Glanz, Haptik und Beständigkeit beeinflusst. Seine Wirksamkeit hängt vom System und der korrekten Aushärtung ab. Ein Topcoat kann eine schlecht haftende Unterlage nicht zuverlässig retten.
Semianilinleder. Leder mit dünner, leicht pigmentierter Oberflächenbehandlung, bei der die natürliche Narbung klar sichtbar bleibt. Es verbindet viel natürliche Optik mit etwas mehr Schutz als typisches Anilinleder. Empfindlichkeit und Pflegebedarf bleiben vom konkreten Finish abhängig.
Sitzwange. Seitlicher Bereich eines Autositzes, der beim Ein- und Aussteigen stark belastet wird. Hier treten Farbabrieb, Kederbeschädigung und Falten zuerst auf. Eine Reparatur hält besser, wenn die mechanische Belastungsursache berücksichtigt wird.
Spaltleder. Mittlere oder untere Schicht einer Haut, nachdem die narbige obere Lage abgespalten wurde. Es besitzt keine ursprüngliche Narbenseite. Es kann als Velours genutzt oder mit einer Beschichtung ausgestattet werden; die genaue Bezeichnung des Materialaufbaus ist wichtig.
Strukturprägung. Übertragen eines Narbenmusters auf Leder oder Reparaturmaterial. Gleiche Farbe ohne passende Struktur bleibt sichtbar. Eine geprägte Reparatur soll zum Maßstab und zur Richtung der umgebenden Narbung passen.
Substanzverlust. Tatsächlich fehlendes Leder oder stark ausgedünnte Faserlage. Er unterscheidet sich von reinem Farbabrieb. Die Reparatur muss die mechanische Belastung einschätzen; bei zu großer Schwächung kann Ersatz sinnvoller sein.
T
Tannin. Pflanzlicher Gerbstoff beziehungsweise Gerbstoffgruppe. Tannine beeinflussen die Stabilisierung und Eigenschaften des Leders. Die bloße Angabe „mit Tanninen“ beschreibt nicht den gesamten Herstellungsprozess.
Taschenleder. Leder für Taschen und Kleinlederwaren mit breiter Vielfalt von offenporig bis stark zugerichtet. Besonders Griffbereiche nehmen Körperfett auf. Vor einer Reinigung Beschläge, Kantenfarben, Futter und Klebungen berücksichtigen.
Tiefenfett. In die Faserstruktur eingedrungenes Fett, das weit über oberflächlichen Glanz hinausgeht. Besonders an Armlehnen und Kopfstützen kann es die Haftung von Reparaturfarben stören. Mehrfaches Entfetten oder absorbierende Verfahren können nötig sein; Erfolg ist nicht garantiert.
Topcoat. Englischer Begriff für die abschließende Schutz- und Effektschicht. Sie bestimmt oft Reibgefühl und Glanz. Bei Pflegemitteln für pigmentiertes Leder wird in erster Linie diese Oberfläche behandelt.
Trockenbruch. Umgangssprachlicher Ausdruck für Risse, die mit Verhärtung, Alterung und wiederholter Biegung einhergehen. Trockenheit allein erklärt nicht jeden Riss; falsche Chemie, Hitze und Faserermüdung können beteiligt sein. Ein Ölfilm schließt einen vorhandenen Bruch nicht.
Trommelfärbung. Färbung des Leders im Gerbfass mit geeigneten Farbstoffen. Ihre Tiefe kann variieren. Sie ist von einem später aufgesprühten oder aufgetragenen Oberflächenfarbton zu unterscheiden.
U
Überfärbung. Später aufgetragene Farbe über einem vorhandenen Finish. Sie kann fachgerecht sein oder frühere Schäden verdecken. Vor jeder erneuten Reparatur Haftung, Schichtdicke und Produktverträglichkeit prüfen.
Überpflegung. Zu häufiges oder zu reichliches Auftragen von Ölen, Wachsen und Cremes. Mögliche Folgen sind Glanz, Schmutzanhaftung, Dunkelung und Haftungsprobleme bei Reparaturen. Mehr Produkt bedeutet selten besseren Schutz.
UV-Belastung. Lichteinfluss, der Farben und organische Materialien altern lassen kann. Besonders bei Cabrio- und Fensterplätzen sind Ausbleichen und Erwärmung relevant. Schutz besteht vor allem aus sinnvoller Nutzung, Abschattung und materialgerechter Pflege.
Unterfütterung. Hinterlegen eines Risses oder Lochs mit geeignetem Material zur Stabilisierung. Sie muss flach, flexibel und zur Belastung passend ausgeführt sein. Dicke Hinterlegungen können sich durch die Oberfläche abzeichnen.
V
Veloursleder. Leder oder Spaltleder mit mechanisch bearbeiteter, samtiger Nutzfläche. Im Unterschied zu Nubuk steht bei Velours die natürliche Narbenzeichnung nicht im Vordergrund. Flüssige Pflege und Glattlederfarbe können den Flor verkleben und Flecken erzeugen.
Versiegelung. Oberflächenbehandlung zum Schutz oder zur Einstellung von Glanz und Reibverhalten. Der Begriff umfasst sehr unterschiedliche Produkte; eine vollständige „Abdichtung für immer“ ist damit nicht gemeint. Für Anilinleder können andere Schutzsysteme erforderlich sein als für pigmentierte Sitze.
Vollnarbiges Leder. Leder, dessen natürliche Narbenschicht nicht durch korrigierendes mechanisches Abtragen entfernt wurde. Das sagt noch nicht, ob ein Finish aufgetragen wurde. Vollnarbig und pigmentiert schließen sich nicht aus.
Vorbeugende Pflege. Regelmäßiges Entfernen von Schmutz, Vermeiden unnötiger UV- und Hitzeeinwirkung und rechtzeitiges Erkennen kleiner Schäden. Sie erhält Oberflächen länger als späte, aggressive Grundreinigung. Das konkrete Intervall richtet sich nach Nutzung und Material.
W
Wachsfinish. Oberflächenbehandlung mit Wachsbestandteilen für Griff, Glanz oder Pull-up-Effekt. Sie kann auf Wärme und Reibung reagieren. Vor Reinigungen prüfen, ob Veränderungen gewollter Charakter oder tatsächliche Verschmutzung sind.
Wasserfleck. Rand oder Farbveränderung durch Feuchtigkeit und mitgeführte Stoffe. Auf Anilin und Rauleder können schon kleine Tropfen sichtbar bleiben. Nicht mit viel Wasser nacharbeiten, ohne die Möglichkeit weiterer Ränder einzuschätzen.
Wasserdampfdurchlässigkeit. Eigenschaft eines Materialaufbaus, Wasserdampf passieren zu lassen. Sie hängt auch von Beschichtung, Klebstoff, Schaum und Träger ab. „Leder atmet“ ist als Pauschalsatz zu ungenau, besonders bei stark beschichteten Verbünden.
Wet Blue. Feuchtes, mit Chrom gegerbtes Leder als Zwischenprodukt der Herstellung. Die bläuliche Färbung hat dem Begriff den Namen gegeben. Es ist noch kein fertiger Autositz- oder Möbelbezug.
Wet White. Feuchtes, mit chromfreien Systemen gegerbtes Leder als Zwischenprodukt. Das Wort beschreibt nicht automatisch das endgültige Weiß des Produkts. Auch Wet White wird später weiterverarbeitet und gefärbt.
Wildleder. Alltagswort, das uneinheitlich für Rauleder genutzt wird; technisch kann es Leder von Wildtieren meinen. Für Pflege und Beratung lieber Nubuk, Velours, Spaltvelours oder die tatsächliche Tierart benennen.
X
Xenon-Lichtprüfung. Labormethode, bei der Materialien künstlich belichtet werden, um unter definierten Bedingungen Veränderungen der Farbe zu beurteilen. Die Ergebnisse hängen von Prüfaufbau und Norm ab. Ein Laborwert ersetzt nicht die Prüfung der realen Einsatzbedingungen.
Y
Yuft/Juchten. Historische Bezeichnung für bestimmte stark riechende, gegerbte und zugerichtete Leder; Schreibweisen und Handelsgebrauch variieren. Bei alten Stücken können Öl, Wachs und Gerbstoffe die Reinigung stark beeinflussen. Erst Material und Zustand identifizieren.
Z
Ziegenleder. Leder aus Ziegenhaut, oft mit charakteristischer Narbenstruktur und guten Festigkeitseigenschaften bezogen auf die Dicke. Es kann sehr unterschiedlich zugerichtet sein. Tierart und Finish gemeinsam betrachten.
Zugfestigkeit. Widerstand des Materials gegen Reißen bei Zugbelastung. Eine optisch glatte Fläche kann in der Faser bereits geschwächt sein. Bei gerissenen Sitzwangen entscheidet die Festigkeit mit über Reparatur oder Ersatz.
Zurichtung. Oberbegriff für Oberflächenbehandlung nach der Lederherstellung: Farbauftrag, Prägung, Effekt und Schutzschicht. Sie bestimmt maßgeblich die spätere Optik und Reinigung. Das Wort ist nicht gleichbedeutend mit „minderwertig“.
Zweischichtaufbau. Umgangssprachliche Beschreibung einer Lederfläche mit Lederbasis und separater Beschichtung; tatsächlich können mehrere Farb- und Schutzlagen vorhanden sein. Für Reparaturen zählt die Haftung jeder Lage. Sichtbare Ablösung sollte nicht einfach überlackiert werden.
Fünf häufige Missverständnisse
- „Echtleder“ bedeutet Spitzenqualität. Der Begriff sagt nur wenig über Schichtaufbau, Narben und Finish aus.
- „Vollnarbig“ bedeutet unbehandelt. Auch vollnarbiges Leder kann gefärbt und oberflächengeschützt sein.
- „Alle Ledersitze müssen regelmäßig gefettet werden.“ Bei stark pigmentierten Sitzen behandelt man vor allem das Finish; Tiefenfettung lässt sich nicht beliebig von außen nachholen.
- „Jeder Riss ist Trockenheit.“ Beschichtungsbruch, Abrieb, Faserermüdung und mechanische Beschädigung verlangen verschiedene Maßnahmen.
- „Patina ist ein Schaden.“ Authentische Alterung kann erhaltenswert sein; Schmutz und strukturelle Schäden müssen davon getrennt werden.
Fachliche Grundlage und Anwendungshinweis
Die materialbezogenen Fachbegriffe orientieren sich an DIN EN 15987:2022, den veröffentlichten Definitionen der Leather Working Group und den Fachinformationen von Leather Naturally. Hinweise zur vorsichtigen Behandlung empfindlicher und historischer Leder berücksichtigen die Empfehlungen des Canadian Conservation Institute. Die konkreten Material- und Produktanleitungen gehen allgemeinen Lexikoneinträgen immer vor. Ein unbekanntes Leder sollte vor großflächiger Behandlung an verdeckter Stelle geprüft werden; bei wertvollen Originalen, instabilen Fasern und sicherheitsrelevanten Fahrzeugteilen ist eine fachliche Begutachtung sinnvoll.
- DIN Media: DIN EN 15987:2022-12, Leder – Terminologie – Hauptbegriffe für den Lederhandel.
- Leather Working Group: Liste fachlicher Lederdefinitionen und 74 Fachbegriffe.
- Leather Naturally: Leitfaden zu Lederbezeichnungen und Herstellung, Nachgerbung und Fettung.
- Royal Society of Chemistry: Fachkapitel zur Lederfettung (Fatliquoring) sowie FILK Freiberg Institute: Fettungsmittel bei der Herstellung von Automobilleder.
- Canadian Conservation Institute: Umgang mit Leder, Haut und Fell in Sammlungen. Die konservatorischen Hinweise betreffen vor allem historische Objekte und sind nicht als pauschale Pflegeanleitung für täglich genutzte Autositze zu verstehen.